UG2002-Novelle, Diskussionsarchiv

Österreichs Universitäten – Gegenwart und Zukunft

16. Februar 2009 · 2 Kommentare

Veranstaltung an der MUW am 13.2.2009.
Impulsreferate und Podiumsdiskussion, Moderation: Sigismund Huck

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Im Bild von rechts:
Erhard Busek | Die Universität – eine Vision
Wolfgang Schütz | Zur Sonderstellung der Medizinischen Universitäten
Christoph Kratky | Gegenwart und Zukunft der kompetitiven Forschungsförderung
Wolfgang Meixner | Akademische Karrieren an Österreichs Universitäten

Die vorab gelieferten Abstracts. Bitte hier klicken: Abstracts

Der Verlauf der Veranstaltung: Auch Kratky widerspricht der Sorglosigkeit des Ministeriums bzgl. FWF-Finanzierung.

E. Busek, MUW-Uni-Rat-Vorsitzender:
Autonomie ist eine Chance mit der die Unis erst lernen müssen umzugehen. Es gibt eine historische Last ohne Autonomie. Die Gestaltungsmöglichkeiten der autonomen Unis werden aber bisher nicht wahrgenommen (aus fehlendem Willen aber auch aus finanziellen Gründen). Die Themen sind global gültig, nicht nur moderne Themen (Klima) sondern auch z.B. Ethik und andere mit globaler Verantwortung. Das Wachsen der Unis in die Wirklichkeit ist eine Faszination und keine Last. Man solle sich nicht im „Tageskram“ verlieren.
Mobilität ist mit Hemmnissen belegt: Dienstrechtsfragen (siehe z.B. verlinkten Artikel in diesem Blog, A.d.R.), mentale Ursachen, lokale Gründe,
Elfenbeinturm. Man braucht Partner und Rahmenbedingungen. Die Rahmenbedingungen an den Med Unis sind zugegebenermaßen anders: Es braucht hier eine Redimensionierung für Patientenversorgung und Forschung. Für beides muss es Zeit geben. Und mehr Courage, um sich der Forschung zu widmen. Es braucht Kataloge der widerwärtigen Bedingungen. Die Grundeinstellung ist die Neugierde und die Kultivierung des Bewusstseins an den Universitäten. Es braucht ein gemeinsames Univ.-Bewusstsein, keine Schrebergartenmentalität. Gemeinsames Arbeiten ist keine Stärke der 3 Med Unis.
Politiker und Minister sind nur Partner. Die Unis müssen sich auf sich selbst konzentrieren. Es gibt nur eine Innere Autorität. Die Politik gibt Anstoß zur autonomen Entwicklung.

W. Schütz, MUW-Rektor:
Früher gab es an der Uni nur eine Antrags-Demokratie. Jetzt solle es das nicht mehr geben. Eine Führung wie in einer AG sei es auch nicht. Das Verhältnis zwischen Ministerium und Unis war eines der beanspruchten Einflussnahme. Das würde heute eine Zurücknahme der Autonomie bedeuten (Gestaltungsmöglichkeit liegt nur bei 5% des Uni-Globalbudgets).
Die Größe des Kampfs um das Uni-Budget sei nicht vorausgesehen worden. Die Lehre solle wunschgemäß nichts kosten. Auch dass sie forschungsgeleitet sein soll, werde vergessen, auch in der Bevölkerung. Es besteht starke Europäische Konkurrenz. Eine Profilbildung wäre wichtig, ebenso wie die Vernetzung in EU-Projekten. Schwerpunkt-Stärkenfindung mit mobilen (Auslandsaufenthalte) StudentInnen und WissenschafterInnen.
Am 12.2.09 wurde der UNIKO vom Minister berichtet: für das Globalbudget der Unis solle es mehr als 400 Mio EUR pro Jahr geben (dzt 215 Mio/a). Aber was es alles enthalten soll ist mehr oder weniger spekulativ. Die Kollektivvertrags- (KV) Kosten sind darin enthalten (70-80 Mio EUR im Anfangsjahr). Weiteres wie Personalgehaltserhöhung bei ehem. Beamten alle 2 Jahre (70-80 Mio EUR) und Klinischer Mehraufwand(10-16 Mio Eur/a). Es bleiben ca 200 Mio/a. Den Rest fresse die Inflation. Wenn der tertiäre Bildungssektor 2020 bei 2% des BIP sein soll, dann müssten es 200 Mio EUR /a mehr sein. Stattdessen gibt es für die Unis den 9/24 (analog nine-eleven), das seien die parlamentarischen Entschließungsanträge vom September 2008 (freier Studienzugang bedeutet mehr Studienplätze und mehr Lehrtätigkeit; die abgeschafften Studiengebühren würden den Unis honoriert, wo immer die Summen dafür herkommen mögen ….). In vielen Studienrichtungen würden die Mehrbudgets dadurch aufgebraucht. Dem Motto starke Unis in Europa würde dadurch nicht Rechnung getragen.

Ch. Kratky, FWF-Präsident
Österreich rangiert an der 15. Stelle der Produktivität der Wissenschaft in der Welt. In der Schweiz wird 0,93% des BIP für die Grundlagenwissenschaft aufgewandt. Die österreichische Mathematik und die MUs liegen im Vergleich dazu gut.
Der FWF ist vor kurzem einer einzigen Aufsichtsbehörde unterstellt worden, dem BmfWF. Vor 5 Jahren ist eine National“stiftung“ gegründet worden. Das ist eine Organisation aus Ministerium, ERP-Fonds, Nationalbank und Institutionen, jedoch keine Stiftung. Daraus kamen in den letzten beiden Jahren je 25 Mio EUR, heuer hingegen null. Vom heurigen Budget fallen noch 45 Mio EUR an genehmigten Vorbelastungen weg. Wenn sonst nichts mehr wegfällt, klaffe ein Finanzierungsloch von 70 Mio EUR, d.s. 43% des Vergabebudgets. Damit können keine neuen Projekte gefördert werden. 2500 Dissertanten- und 900 Post-Doc-Jobs laufen aus. Es können aber keine neuen dieser Wissenschaft-Jobs geschaffen werden!!
Der FWF kann zwar nicht in Konkurs gehen, aber wie geht´s weiter? Kratky wisse es nicht. Der Wissenschaftsminister sagt, es sei nicht schlimm. Aus der Regierungsklausur hört man von keinem Ergebnis für die Wissenschaft. Was bleibt, sei die Pauschalvorsorge.

W. Meixner, Vizerektor für Personal, Uni Innsbruck
Die Unis befinden sich in Konkurrenz um Finanzmittel aber nicht um die besten Köpfe. Hochschulpolitik ist Personalpolitik. 65-70% des Globalbudgets geht in die Löhne und Gehälter der MitarbeiterInnen. Bestimmender Faktor ist die StudentInnenschaft und nicht die Forschung. Eigentlich sollten FH und College nicht forschen.
Karrieren. Es gibt befristete Stellen für 4-6 Jahre und mit wenigen Ausnahmen keine Verlängerungen. Seit vielen Jahren gibt es für die MitarbeiterInnen keine Karriereaussichten und keinen Kollektivvertrag (in diesen würden bei Tenure-Track-Aussichten und erweitertem Kündigungsschutz nach der teureren Anfangssituation in den Folgejahren nur 20-30 Mio EUR/a fließen). Die Entfristung ist bei Laufbahnausschreibungen zu beachten. Eine Finanzierungsplanung auf 3 Jahre ist für die Strukturplanung und KV-Voraussetzung sehr knapp.
KV und Laufbahnstellen leben von Rotationsstellen. Von 1500 MitarbeiterInnen des wissenschaftlichen Personals der Uni Innsbruck sind 600 Drittmittel-Angestellte. Wenn keine Projekte mehr kommen, fehlen diese Stellen für die Rotation.
Laut UG2002 ist das mittlere Management nicht führungsfähig. Aber bis 2015 gehen viele Profs in Pension (in Innsbruck 50%). Woher also nehmen? Das antiquierte Organisationsmodell des UG reguliert das nicht, ebenso wenig die ministerielle Novelle. Die §99-Professuren dauern zu kurz.
Probleme in der Diskussion.
Busek:
Für Wissenschaft braucht die MUW keine 180 Anästhesiologen. Klinische Mehraufwandsberechnung. Versorgungsauftrag. Budget-Mittel gehört für Lehre und Forschung, der Rest gehört anders finanziert. Orchideenfächer werden allgemein nicht geschätzt. Unis schätzen diese noch viel weniger.
Meixner: Wenn 1,6 Mia nicht reichen, warum nimmt der Bund nicht eine Anleihe über 1 Mia auf?
Busek: dafür bekommt man Medienapplaus, aber die Republik macht das schon mit Staatsverschuldung. Dabei muss gesagt werden, Unis sind besser organisiert als die ÖBB.
Kratky: 20% als Overheads ausbezahlt seit 2007. Dieser Paradigmenwechsel sei einer der größten Erfolge des Ministeriums zur Vollkostenfinanzierung der Forschung, wenn die Unis alleinverantwortlich damit (z.B. Geräte-) Kosten abdecken. Sie sollen nicht zu einer Forschungsprämie für Projektleiter werden. Sinnvoll für die Uni-Investition.
Schütz: Overheads als Prämien an Projektleiter sind schlecht.
Meixner: denkt ebenso.
Gloss (GÖD): Wegen 20 Mio mehr im Anlaufjahr ziert man sich und setzt den KV doch nicht um. Peanuts.
Schütz: Vorteil des KV wäre einheitliches Dienstrecht und Mehrverdienst für jüngere DienstnehmerInnen. Aber ohne KV ginge es auch. Man wisse nicht, was alles vom 400 Mio-Paket bezahlt werden muss. Erst Klärung, dann Unterschrift. Das UG2002 wäre OK (Die Macht bleibt bei den Mächtigen: Uni-Rat und Rektorat, A.d.R.). Obwohl: manche Verantwortungen brauche man gar nicht.

(K. Heimberger)


Kategorien: Budget · FWF · Kollektivvertrag · MedUni
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