Monatsarchiv: Mai 2010

Bologna reloaded: „Kompetenz für Studienpläne ist und bleibt bei Universitäten“

   Eine ausdrückliche „Neuaufladung“ des Bologna-Prozesses mittels neuer vom Wissenschaftsministerium einberufener Arbeitskreise wird von den Verantwortlichen an Österreichs Universitäten als nicht erfolgversprechend angesehen. „Was jetzt unter ,Bologna reloaded’ propagiert wird, steht für die Verantwortlichen für Studium und Lehre an den Unis seit mehreren Jahren auf der Agenda“, erklärte der Vorsitzende des Forums Lehre in der Universitätenkonferenz, Vizerektor Arthur Mettinger, nach der jüngsten Sitzung des Forums.

   Die in der uniko angesiedelte Plattform aller für Lehre zuständigen Vizerektorinnen und Vizerektoren der Universitäten beschäftige sich schon seit Jahren mit den Herausforderungen der dreigliedrigen Bologna-Studienarchitektur und werde das auch in Zukunft in eigenständiger Verantwortung fortführen. Bei den Mitgliedern des Forums Lehre hätten nach den Worten Mettingers die angekündigten Aktivitäten des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung eher Verwunderung ausgelöst. „Die Kompetenz für die Gestaltung der Studienpläne liegt eindeutig in der Autonomie der Universitäten und wird auch künftig von den zuständigen universitären Leitungsorganen wahrgenommen“, betonte Mettinger.  

„Hätten Sie für Ihr Ressort drei Wünsche frei, welche wären diese?“

   Frau Ministerin Beatrix Karl in einem Interview, das  die Zeitung „FH international“, Promotionsbeilage der Österr. FH-Konferenz zur Tageszeitung DER STANDARD, führte (Ausschnitt).

Welche Qualifikationen soll ein Hochschulabsolvent mit Abschluss des Studiums erworben haben? 
   Mir geht es vor allem um zwei Dinge: Bildung und Ausbildung. Die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes und Anforderungen in der Arbeitswelt sind das eine, die Notwendigkeit der fundierten und wertorientierten Persönlichkeitsbildung das andere. Es braucht beides, um erfolgreich und gut gerüstet in das (Berufs-)Leben starten zu können.

Hätten Sie für Ihr Ressort drei Wünsche frei, welche wären diese?
   Ich habe einen Wunsch, dafür bin ich bei diesem einen weniger bescheiden: Mehr Mittel!

Bitte hier weiterlesen!

Busek: „Freier Zugang zu FH löst keine Uni-Probleme“

   Fachhochschulen haben andere Probleme. Busek: „Rektorenchef Sünkel muss sich besser informieren“. Ein Kommentar zur Stellungnahme des Vorsitzenden der Universitätenkonferenz, Rektor Sünkel, mit der Aufforderung zu Einsparungen an den österreichischen Fachhochschulen (18. Mai 2010)

   Zur Forderung des Rektorenchefs Hans Sünkel, dass die Fachhochschulen „Solidarität“ gegenüber den Universitäten zeigen und den Zugang freigeben sollten, während jener zu den Universitäten zu beschränken wäre, stellte der Rektor der Fachhochschule Salzburg, Erhard Busek, fest, dass ein Mangel an Information vorliegt.
   Das Gesetz gibt dem Ministerium die Möglichkeit, die Zahl der Studienplätze durch Finanzierung festzulegen, es gibt für die Fachhochschulen keine Globalfinanzierung.

Bitte hier weiterlesen!

Uni Klagenfurt: Lehrende der Psychologie geschlossen hinter den Protesten

Uni weigerte sich, diese Stellungnahme des Instituts zu verschicken. Der Versand erfolgte über die ÖH

   Nach der Besetzung des Klagenfurter Rektorats durch Psychologiestudierende stellen sich die Lehrenden der Psychologie geschlossen hinter die Proteste. „Eine gute Betreuung ist mit diesen Betreuungsverhältnissen nicht mehr leistbar. Es übersteigt unsere Möglichkeiten, selbst Grundlagenlehrveranstaltungen abzudecken. 12000 Prüfungen im Jahr sind gang und gäbe“ so Institutsvorstand Philipp Mayring zur derzeitigen Lage des Instituts.
   Pikantes Detail: Die Uni weigerte sich vorliegende Stellungnahme des Institutes zu verschicken. Der Versand erfolgt durch die ÖH.
   Die ProfessorInnen sehen das schlechte Abschneiden im CHE-Ranking als ein weiteres Symptom der jahrelangen desolaten Lage. Ohne eine weitere Ausfinanzierung wird es, laut Mayring, kaum möglich sein, diese nachhaltig zu verbessern.

Bitte hier weiterlesen! (inkl. Stellungnahme des Rektors)

Studentenprotest und CHE-Uni-Ranking

   Psychologiestudierende besetzen das Rektorat der Universität Klagenfurt. Desolate Verhältnisse führen zu anhaltenden Protesten an der Alpen-Adria Universität Klagenfurt. Aktionen von Lehrenden stehen bevor.

   Klagenfurt (OTS) - Im Rahmen der seit Wochen andauernden Protestaktion wurde am 26.5.10 das Rektorat der Universität Klagenfurt von Psychologiestudierenden besetzt. Sie fordern vier zusätzliche Stellen, die in der Vergangenheit zugesagt wurden, aber nun von Streichungen bedroht sind.
   „Die Zustände am Institut sind nach wie vor desolat. Wir sind gezwungen, weitere Maßnahmen zu ergreifen und bleiben, bis unsere Forderung erfüllt ist. Eine in der Zwischenzeit zugesagte Stelle reicht bei weitem nicht aus, um die Missstände auszuräumen“, so Studierendenvertreter Robert Weiß. Hintergrund sind die im deutschsprachigen Raum einzigartig schlechten Betreuungsverhältnisse sowie ein letzer Platz beim jüngsten CHE-Ranking.
   Die Protestaktion wird mehrere Tage andauern. Auch von Seiten der Lehrenden der Klagenfurter Psychologie sind Aktionen geplant.
Link: zur OTS-Presseaussendung
Link: zum Artikel derStandard.at 
Link zur ÖH-Aussendung: Kapazitäten für Lehre statt Eliteprogramme

Hochschuldialog: Finanzierung der Hochschulen, Studienplatzfinanzierung

   Im Mittelpunkt der Agenda des Arbeitsforums AF5 des Dialoges Hochschulpartnerschaft zum Thema der Ressourcen und der Finanzierung von Lehre und Forschung standen öffentliche und private Finanzierungsformen der Hochschulen, Erfahrungen und Perspektiven mit der Studienplatzfinanzierung sowie Wechselwirkungen zwischen Lehr- und Forschungsfinanzierung.

Link: Zusammenfassung Arbeitsforum Finanzen

Denkstrukturen des Industriezeitalters: Budgetkürzungen für Bildung, Forschung und Kunst…

… und 5 Milliarden für den Koralmtunnel. 
Gerald Bast (Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien) kritisiert die Präferenzen in der staatlichen Ausgabenpolitik.

   Wien (OTS) – Rektor Bast fordert sofortige Umwidmung der für den Koralmtunnel vorgesehenen Euro 5,2 Milliarden für Projekte zur Stimulierung von Innovation und Kreativität in den Bereichen Bildung, Forschung und Kunst.
   „Österreich betreibt geradezu das Gegenteil von zukunftsorientierter Politik!“ wirft Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien, den politischen Entscheidungsträgern vor: Während der mehr als 5 Milliarden Euro teure und in dieser Form völlig überflüssige Eisenbahntunnel für die Koralmbahn durchgepeitscht und der Tunnelanstich feierlich zelebriert wird, kündigen Regierung und Parlament massive Budgetkürzungen für Bildung, Forschung und Kunst an. Dann kann man mit Hochgeschwindigkeitszügen zwischen den Metropolen Graz und Klagenfurt hin und her rasen. Nach Norden geht’s leider etwas langsamer, weil da der Semmering (ohne Tunnel) dazwischen liegt. Würde Barbara Tuchmann noch leben, hätte sie damit ein weiteres Kapitel für eine Neuauflage ihres berühmten Buches „Die Torheit der Regierenden“. 

bitte hier weiterlesen!

„Nebenschauplatz Faculty“: Uni-ProfessorInnenverband gegen gleiche Rechte

UniversitätsprofessorInnenverband

In einer OTS-Presseaussendung und einem offenen Brief an die Wissenschaftsministerin warnt der UPV vor der Faculty-Universität als „Etikettenschwindel“

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Karl,
   Der UniversitätsprofessorenInnenverband begrüßt sämtliche Maßnahmen, die die Rahmenbedingungen für Forschung und Lehre an österreichischen Universitäten verbessern und somit zu einer Sicherung bzw. Steigerung der Qualität beitragen.
   Es ist noch offen bis fraglich, ob das von  Ihnen andiskutierte Faculty Modell österreichischer Prägung ein solcher Beitrag wäre.  Jedenfalls verfehlt und unheilvoll wäre es, beim „Faculty-Modell“ einem billigen Fehlschluss aufzusitzen, der auf der scheinbaren Gleichheit von Begriffen aufbaut. Die Forderung nach einem Faculty-Modell auch in Österreich wird regelmäßig damit unterstützt, dass es auch in den USA ein Faculty-Modell gäbe und US-Universitäten seien doch bekanntlich sehr erfolgreich. Allerdings meinen die österr Proponenten etwas ganz anderes als das US-Modell. Sie meinen eine gemeinsame, organisationsrechtlich völlig gleichgestellte Gruppe aller wissenschaftlichen Universitätsbediensteten, die von den Nichthabilitierten, deren Vertrag eben erst entfristet wurde, bis zu Professoren, die sich in einem oder mehreren Berufungsverfahren durchsetzen konnten, alle umfasst.
   Ein solches „Einheitsmodell“ gibt es aber in den USA keineswegs, insbesondere nicht an jenen Universitäten, die Vorbild sein könnten. Führende US Universitäten sind vielmehr extrem kompetitiv und leistungsorientiert. Schon daher gibt es dort keine einheitliche Faculty! Vielmehr werden meist drei Gruppen unterschieden, mit jeweils unterschiedlichen Rechten und Pflichten:

 

bitte hier weiterlesen!

Regierung möge sich an die Zukunft erinnern

Kommentar des Chefs der Universitätenkonferenz, Rektor Hans Sünkel

   Bunkerstimmung in der Bundesregierung: So lässt sich die Reaktion auf den jüngsten dringlichen Appell der Rektoren, rasch die erforderlichen Maßnahmen zu einem Impuls für die Universitäten zu setzen, noch am ehesten interpretieren. Die Einladung der uniko an die Spitzen der rotschwarzen Koalition zu einem Gespräch mit dem Präsidium der Universitätenkonferenz wird bis heute mit eisigem Schweigen quittiert. Die Ursachen der Studentenproteste sind offenbar schon wieder Schnee von gestern – angesichts der Eurokrise hat die Regierung alle guten Vorsätze, bezogen auf eine hinreichende Ausstattung der Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen, zu Grabe getragen.

   Die Schockstarre der Spitzenpolitiker lässt nur zwei Schlüsse zu: Entweder es ist der Regierung klar geworden, dass sie angesichts der europaweiten Finanzkrise nicht mehr im Stande sein wird, ihre eigenen Absichtserklärungen (mittelfristiges Ziel von 2 Prozent des BIP für tertiäre Bildung) im kommenden Jahrzehnt einzulösen. Dann mögen Kanzler und Vizekanzler die Courage aufbringen, gegenüber den Universitätsangehörigen, speziell den Studierenden, das Scheitern ihrer ehrgeizigen Pläne laut und deutlich einzubekennen. Oder die Regierung liefert den Beweis, was Pessimisten ohnehin immer vermutet haben: dass Wissenschaft und Forschung hierzulande lediglich einen untergeordneten Stellenwert einnehmen und bestenfalls für Planspiele zur politischen Machtabsicherung geeignet sind.

bitte hier weiterlesen!

Kuntzl: Zwei-Prozent-Ziel für Hochschulbereich bleibt aufrecht

Wissenschaftsministerin soll für bessere finanzielle Ausstattung der Unis kämpfen

   Wien (OTS/SK) – SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl bekräftigte heute, Mittwoch, dass das Zwei-Prozent-Ziel (2 Prozent des BIP für den tertiären Sektor bis 2020) „aufrecht bleibt“. Kuntzl erinnerte daran, dass dieses Ziel vom Parlament und auch vom Ministerrat beschlossen wurde. Die SPÖ-Wissenschaftssprecherin bekannte sich auch dazu, dass dieses Ziel „mit einem hohen Anteil an öffentlichen Mitteln gewährleistet werden soll“. Freilich seien auch die Universitäten aufgerufen, aus Strukturreformen und Effizienzsteigerungen Ressourcen freizuschaufeln.
   Kritisiert wurden von Kuntzl die „völlig widersprüchlichen Signale“, die an die österreichischen Hochschulen ausgesandt wurden:

bitte hier weiterlesen

Hochschuldialog: Zwischenbericht der Ministerin

Sehr geehrte Damen und Herren!

Es ist mir ein Anliegen, Ihnen direkt mitzuteilen, dass ich den Dialog Hochschulpartnerschaft mit den zahlreichen beteiligten Stakeholdern gerne wie geplant bis Ende Juni fortsetzen und dann mit einem gemeinsamen Endbericht abschließen möchte.

Viele von Ihnen haben zahlreiche Stunden in die Diskussionen investiert, in einigen Bereichen wurden ganz konkrete gemeinsame Anliegen und Empfehlungen formuliert, an anderen Stellen aber schlichtweg auch klar unterschiedliche Positionen einzelner Stakeholder im tertiären Sektor herausgearbeitet.

Anhand wertvoller Inputs externer Experten wurden Studienergebnisse diskutiert und bearbeitet, und so ein Weg von einer Kultur der Evaluierung zu einer Kultur der Konsequenzen beschritten, der für die Zukunft des tertiären Sektors ein aus meiner Sicht sehr zielführender sein kann.

bitte hier weiterlesen, inkl. Dokument Zwischenbericht und Stellungnahmen

Überdramatisiert?

   Die SPÖ-Wissenschaftssprecherin, Andrea Kuntzl,  warnt die Wissenschaftsministerin, Beatrix Karl, vor Überdramatisierung der künftigen Finanzlage an den Universitäten. Das Budget der Uni-Leistungsvereinbarungsperiode bis 2013 sei noch nicht beschlossen (Link).

Aus den betroffenen Universitäten ist zu erfahren, dass das Wissenschaftsministerium bereits Uni-Selbsthilfestrategien vorgibt.

   Wegen der hohen Staatsverschuldung werde es für keine Universität in Österreich ab 2013 eine Budgeterhöhung, ja nicht einmal eine Budgetanpassung geben. Dies solle wenigstens bis 2015 gelten. Es könne sogar nicht ausgeschlossen werden, dass das Budget noch zusätzlich sinkt. Im besten Fall also eine Budgetstagnation mindestens während der kommenden 5 Jahre. Obwohl an der abgeschlossenen Leistungsvereinbarung (bis 2012) festgehalten werden soll, wären die Universitäten zu zwei Maßnahmen aufgefordert: 

  1. Rücklagen zu bilden bzw. Einsparungen vorzunehmen, damit ab 2013 darauf zurückgegriffen werden könnte,
  2. dem Ministerium mitzuteilen, aus welchen Positionen der bestehenden Leistungsvereinbarung die Universität zurücktreten wolle, um die künftigen Budgets nicht zu belasten.

Seitens des Bundes sei in den nächsten Jahren mit keinerlei Finanzierung von Bauvorhaben mehr zu rechnen. Im Herbst soll vielmehr offiziell verlautbart werden, welche bereits beschlossenen Bauvorhaben an den österreichischen Universitäten  verschoben, wenn nicht sogar ganz abgesagt werden.
Link zum Interview Rektor Schmidinger, Uni Salzburg: „Brauche keine Leistungsvereinbarungen, wenn es nur Einsparungen gibt“, auf derStandard.at

Kurien sind überholt, Kurienprofessoren sind nicht mehr zeitgemäß

Betriebsräte der MedUnis Wien, Innsbruck und Graz

Betriebsräte der Medizin Unis unterstützen Bundesministerin Karls Initiative für Mitbestimmung

   (OTS) Am Beispiel der drei Medizinischen Universitäten Wien, Graz und Innsbruck zeigt sich besonders krass wie universitäre Mitbestimmung bislang funktioniert: 260 (120+70+70) Professoren (überwiegend Männer und ganz wenige Frauen) entscheiden mehrheitlich über die Entwicklung der Universitäten unter dem Motto: „Wir bestimmen die Studienpläne und die Studien, sowie die Strategie, unterrichten und forschen sollen vor allem die Anderen“. Diese sind  6000 (3500 MUW, 1100 MUI, 1400 MUG)  sogenannte „Mittelbauangehörige“. Viele von ihnen sind habilitiert und international höchst anerkannt, nur nicht Mitglied der sogenannten Professorenkurie, und damit kaum berechtigt mitzureden.

   Strukturierung,  Entwicklungsplan und die Neuberufungen liegen hauptsächlich in der Hand einiger weniger „Kurienprofessoren“. Kurioser Weise haben diese Kurienprofessoren überdurchnittlichen Einfluss bei der Wahl des Rektors. Mit einer Firma verglichen, wählt sich das mittlere Management seinen Generaldirektor. Dies ist weder ein privatwirtschaftlich autoritäres System, noch hat es etwas mit demokratischer Mitbestimmung von Leistungsträger/innen, wie in amerikanischen Spitzenuniversitäten erfolgreich praktiziert, zu tun. Kein Wunder, dass es in Österreich keine einzige Rektorin gibt. Viele der jungen Wissenschafter/innen und gerade noch beamteten Dozent/innen gestalten aber durch ihre Leistungen die Wissenslandschaft und sind oft international anerkannter und einflussreicher als so mancher Kurienprofessor. Dass die Unikliniken ohne diesen Mittelbau aber nicht funktionieren ist schon aufgrund des Zahlenverhältnisses evident. Wir fordern die Umsetzung des „Facultymodells“ mit einer Aufwertung der Leistungsträger, um auch jüngeren, innovativen Universitätsangehörigen mehr Mitbestimmungsrechte zu geben, und wir fordern die Abschaffung der anachronistischen Kurien!

A.Univ Prof. Dr. Regina Gatternig, A. Univ Prof. Dr. Thomas Szekeres, A. Univ Prof Dr. Martin Tiefenthaler für die Betriebsräte des wissenschaftlichen Personals der Medizinischen Universitäten Graz, Wien und Innsbruck

Licht am Ende des Schüssel/Gehrer-UG02-Tunnels

Foto: www.oflow.de/author/michael

Foto: Michael Graf – oflow.de

Universitäten: Die Kurien sind tot – Es lebe die Faculty!

<faculty, engl.: gesamter Lehrkörper einer Universität>

Weitere Novelle zum UG02 gefordert

In den letzten Wochen hat die Wissenschaftsministerin Beatrix Karl bei verschiedenen Gelegenheiten ihre Präferenz für das Faculty-Modell wiederholt. Sie macht das unter öffentlicher Aufmerksamkeit seit der Parlamentarischen Universitäts-Enquete im April 2008. Damals wurde sie dabei von ihren ParteikollegInnen offenbar nicht besonders ernst genommen. Immerhin gelang es der Professoren-Lobby, das Uni-Rechts-Änderungsgesetz 2009 und die große UG-Novelle vom Faculty-Gedanken vollkommen frei zu halten. Auch die Vorstellungen des Uni-Mittelbaus dazu (dieselben Rechte für den gesamten Lehrkörper) wurden vom damaligen Wissenschaftsminister Hahn völlig ignoriert.
Jetzt wisse man, das Universitäts-Kurienmodell sei veraltet und passe nicht mehr. Ja, es behindere vielleicht sogar (besonders an den MedUnis mit ihrer tradierten Hierarchie) eine gehobenere Betriebskultur und die Förderung des universitären Nachwuchses. Ein neues österreichisches Faculty-Modell solle entwickelt werden. Dazu bedarf es einiger Überlegungen (und zwar laut Ministerin): Diskussion einer neuen Form der Partizipation des Mittelbaus; die Teilnahme an Berufungs- und Habilkommissionen sei zu wenig. Soll ein starres Faculty-Modell für alle Unis errichtet werden? Soll es ein eigenes MedUni-Modell geben? In diesem Sinne wäre die notwendige weitere Novellierung des UG02 zu überlegen.

Ankündigung: Große Konferenz zum Faculty-Modell

Die Ministerin hat eine große Konferenz  zum Faculty-Modell für den kommenden Herbst angekündigt (die Wissenschaftssprecherin des Koalitionspartners, Andrea Kuntzl, ist erst vom Bericht einer Betriebsrätetagung davon informiert worden). U.a. seien die Betriebsräte der Universitäten aufgefordert, sich bis dahin mit Überlegungen einzubringen.
Dass es sich hier, nach dem Abgang der Rektoren und eines Großteils der Studierenden, um die beabsichtigte Fortsetzung des Hochschuldialogs mit anderen Mitteln handelt, ist anzunehmen.

Link: Stellungnahme der Universitätsgewerkschaft

Karl gefordert, Gesprächsbasis zu Studierenden wieder herzustellen

SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl bedauert Ausstieg der Studierenden aus dem Hochschuldialog

   (SK)  Als „bedauerlichen, aber angesichts der letzten Wortmeldungen von Wissenschaftsministerin Karl nicht unbedingt überraschenden Schritt“ wertet  Kuntzl den Ausstieg der Österreichischen HochschülerInnenschaft und der Studierendenprotestbewegung aus dem Hochschuldialog. „Wir bedauern den Ausstieg umso mehr, weil sich nach den Rektoren mit den Studierenden nun die nächsten wichtigen Dialogpartnerinnen- und partner aus dem Hochschuldialog zurückziehen, mit deren Sorgen und Anliegen man sich im Dialog auseinandersetzen wollte“. Die Wissenschaftssprecherin sieht daher jetzt die Wissenschaftsministerin gefordert, „konstruktive Schritte zu setzen, die geeignet sind, die Gesprächsbasis zu den Studierenden wiederherzustellen“. Bestrebungen, die in Richtung Dichtmachen der Universitäten gehen, sind für Kuntzl abzulehnen und auch „ganz sicher kein Beitrag zu mehr Konstruktivität und zur Stärkung des Wissenschaftsstandorts Österreich“. Schließlich brauchen mehr junge Menschen mehr Chancen, sagte Kuntzl.